Meine Impressionen vom Dresden Marathon 2006 Mein Marathon fing eigentlich schon drei Tage vorher an. Da habe ich mich nämlich erkältet. Also bin ich zu meiner Tante und habe mir starke Antibiotika verschreiben lassen und bin die nächsten Tage nur die minimalst mögliche Zeit ausser Haus gewesen. Ich habe dafür auch super Parties (Cocktailparty und Hausparty bei Eva) saußen lassen. Das tut mir eigentlich jetzt noch leid. Na ja, jedenfalls fühlte ich am Sonnabend, wie meine Kräfte langsam wieder kamen. Und so legte ich mich guten Mutes frühzeitig ins Bett (16Uhr). Dabei merkte ich dann auch langsam, dass ich viel zu aufgeregt zum Schlafen war und begann "Der Flop" von Stanislaw Lem zu lesen. Ein sehr empfehlenswertes Buch! Ich hab es dann der Einfachheit halber auch gleich durchgelesen und war dann auch endlich müde genug um halbwegs den Schlaf zu finden, den ich suchte. Am Sonntag klingelte dann 7Uhr der Wecker, woraufhin ich versucht habe mir eine Schale Müsli reinzuzwingen (ich war aufgeregt, da nimmt mein Magen nichts an). Dann hab ich einen Isotrink genommen und mich drüber gefreut, dass das ganze Essen von gestern auf einmal rauswollte. Das ist gut, immerhin kann es mich so während des Laufens nicht belasten. Also hab ich mich in die 72 geschwungen um bin Richtung Wasaplatz gefahren, wo mir der Anschlussbus Linie 75 direkt vor der Nase wegfuhr. Zum Glück hatte ich derartiges eingeplant und bin mit der Linie 1 (welche nur an diesem Tage über den Wasaplatz und den Postplatz verkehrte) gefahren. Unterwegs habe ich noch zwei ältere Männer aus Rheinland-Pfalz kennengelernt, welche auch den Marathon laufen wollten. Mit denen bin ich dann auch Richtung Congresscenter gefahren und hab mein Gepäck dort abgegeben. Ich hatte damit gerechnet, dass es kalt sein würde und hab desswegen meinen Pullover (Joggingpullover) angezogen und die Starternummer (40832) daran befestigt. Jedenfalls war es im Starterfeld schon ziemlich voll, und ich fand trotzdem meinen Platz, welcher in der Nähe des 4h-Mannes (eines Läufers, der die 4Stundenzeit avisierte, und an den man sich halten konnte, wenn man die Zeit laufen möchte) im C-Block war. Jedenfalls war es dann doch ganz schön warm, alle hatten nur kurzes Zeug an, während ich mit langer Hose und Pullover dastand. Die Sonne kam raus, und ich wechselte 5min vor dem Start vom Pullover, welchen ich mir um die Hüfte band, zum T-Shirt. Da musste ich nun natürlich die blöde Starternummer auch noch umsetzen. Jedenfalls ging das Gewusel dann pünktlich 10Uhr los, und ich folgte dem 4h-Mann, welcher erstmal ziemlich schnell versuchte aus dem dichten Starterfeld zu entfliehen. Nach ca. 5 Kilometern, beim zweiten Verpflegungsfeld war mir der Mann dann aber zu langsam und ich zog vorbei und lief meine Geschwindigkeit, welche ich auch im Training drauf hatte. Das ging dann auch die ganze erste Runde erstaunlich gut, ich merkte meine Erkältung gar nicht mehr und erfreute mich der zahlreichen Trommlergruppen und Cheerleader, welche die Läufer mit großem Elán anfeuerten. Ich hatte immer ein Lächeln auf den Lippen und genoß meinen Lauf. Was mich die ganze Zeit etwas beunruhigte war mein Puls, der lag nämlich konstant bei knapp 180 Schlägen, was ca 10 bis 15 Schlägen über meinem Trainingspuls ist. Ich schob das auf die Aufregung und auf den Iso-Trink und lief in unverminderter Geschwindigkeit weiter. Bei Kilometer 28 kam dann der berühmte Mann mit dem Hammer und ich fing an die Kilometerschilder herbeizusehnen, weil mein Lauf immer schwerer wurde. Ab Kilometer 30 wurden dann meine Beine extrem schwer, und ich fühlte, dass es jetzt ganz hart kommen wird. Schön war auch einer im Publikum, der einen immer mit leicht ironischem Unterton anfeuerte "nur noch 20Kilometer, das schafft ihr locker..". Aber das hatte seinen Effekt, ich hab mir tatsächlich gedacht, dem zeig ichs und bin weitergelaufen. Was mich bis hierhin gewundert hat ist, dass ich meine Mutter und meinen Bruder noch nirgens entdeckt hatte. Die hatten sich eigentlich für eine der Brücken angekündigt. Jedenfalls kamen sie mir dann bei Kilometer 34 entgegen und feuerten mich an "halt durch", und das kam genau richtig, denn das war der Punkt wo ich Zweifel hatte ob ich weiter machen sollte. Ich biss aber die Zähne zusammen und lief weiter. Allerdings bin ich dann auch alle paar Kilometer mal gegangen, um wenigstens ein bisschen Kraft zurückzubekommen. Meine Beine wollten an dieser Stelle auch nicht mehr so richtig, und ich musste mich regelrecht zwingen weiterzulaufen. Ich hatte an der 30Kilometermarke noch 1.20h Zeit um ins Ziel zu laufen, und das wäre ja alles auch kein Problem, aber die letzten 10Kilometer sind halt wirklich die schwersten. Ich hab mich also weiter geschleppt. Lustigerweise meinten meine Mutter und mein Bruder, dass ich bei Kilometer 34 noch richtig frisch aussah... Naja, wahrscheinlich eine Lüge um mich aufzumuntern. Ich habe bei jeder Verpflegungsstelle etwas getrunken und gegessen, und auf den ersten 30 Kilometern hab ich das auch im Laufen gemacht. Danach jedoch hab ich angehalten und in Ruhe getrunken und gegessen. Da hab ich auch nur noch Isotrinks getrunken und Energyriegel gegessen. Das half aber alles nicht so viel, und ab Kilometer 38 lief ich auf dem Zahnfleisch. Ich hängt mich immer an andere Läufer an und versuchte mit ihnen mitzuhalten, aber es wurde immer schwerer. Mein Schultergürtel hatte sich nun vollständig verkrampft, und mir war kalt (und das bei Sonne und 21 Grad Celsius). Also hatte ich einfach keine Kraft mehr. Ich lief einer Läuferin hinterher, die ich unterwegs schon mehrfach gesehen hatte, und die einen Gürtel mit kleinen Trinkflaschen um hatte. Und dann sah man auch schon die ersten Krampf-Opfer, welche sich am Streckenrand dehnten. Da hab ich mir gedacht, so übel geht es dir eigentlich noch nicht, und bin wieder weiter gelaufen. Die Schmerzen in den Schultern wurden aber immer größer. Da stand ich vor der Wahl: aufgeben, gehen und meine Zeit nicht schaffen und die Schmerzen _noch_ länger ertragen oder jetzt erst recht. Und ich hatte noch genug Kraft um von Kilometer 40 tatsächlich noch einen Endspurt anzuziehen und alle die, die mich vorher überholt hatten, doch noch einzuholen und ins Ziel zu sprinten. Ich habe dabei die Zähne zusammengebissen und gekeucht wie ein sterbender Ochse. Kurz vor dem Ziel waren dann auch nochmal meine Mutter und mein Bruder, und haben mich angefeuert. Ich bin dann mit der Traumzeit von 3.53h ins Ziel meines ersten Marathons eingelaufen. Dann habe ich mir Getränke geholt, Eistee und Fruchtsaft und dann auch noch mehrere alkoholfreie Erdinger Weizenbiere getrunken und hab mir meine Schulterkrämpfe von meinem Bruder rausmassieren lassen. Inzwischen war auch meine Tante da, welche von mir natürlich ein Lob ob der guten medizinischen Versorgung bekam. Ich hab dann erstmal 15 Minuten nur rumgesessen und hab dann mein Gepäck geholt, meiner Urkunde ausdrucken lassen, meine Medallie gravieren lassen und meinen Zeitmesschip zurückgegeben. Der Dresden Marathon in diesem Jahr stand im Zeichen der 800 Jahrfeier der Stadt Dresden und hat über 7500 Läufer angezogen. Sehr unterstreichen möchte ich nochmal, dass es wunderbarerweise einige Cheerleader und viele Trommlergruppen tatsächlich die ganzen 4 Stunden durchgezogen haben die Leute anzufeuern. Das verdient ganz großen Respekt und ein großes Dankeschön von meiner Seite. Ohne diese Unterstützung wäre es viel schwerer gewesen durchzulaufen. Jetzt habe ich meinen ersten Marathon bestanden und bin unendlich glücklich, und harre der Dinge, die mich morgen erwarten (Muskelkater). Dresden, 22. 10. 2006 Steffen Liebergeld, Marathon-erprobt